Leiden

Die meisten Menschen haben besonders Probleme die Liebe Gottes mit der Tatsache, daß er auch Leid zuläßt zu verbinden. Sie empfinden diese Gegebenheiten oft unvereinbar miteinander. Vieles, auch den Sinn des Leidens werden wir sicher zu Lebzeiten nicht völlig verstehen können, aber gewiß werden wir von Gott nach unserem Tod für alles eine Erklärung erhalten. Außer der Bibel die uns die wichtigsten Hinweise und Erklärungen gibt, wissen wir noch einiges von Heiligen, die z.B. mit Armen Seelen Erlebnisse hatten.

 

Gott unser Vater liebt uns mehr als ein weltlicher Vater seine Kinder. Auch unsere Kinder haben manchmal das Gefühl, daß wir ihnen Leid zufügen, wenn wir ihre Wünsche nicht erfüllen. Ein Vater muß seinem kleinen Kind auch verwehren, die Hand ins offene Feuer zu halten oder die Giftpflanze in den Mund zu stecken, im tiefen See zu baden, wenn das Kind nicht schwimmen kann. Er kann die Wünsche des Kindes nicht erfüllen, weil er um die Gefahren weiß, das Kind sie aber noch nicht erkennen kann. Im Notfall, wenn das Kind absolut nicht hören will und sich mit seinem Dickkopf in Lebensgefahr begibt, werden die Eltern sehr schimpfen und es vielleicht sogar tatkräftig daran hindern. Das Kind wird wahrscheinlich in Tränen ausbrechen und wird in seinem Unverständnis die Eltern als hartherzig, lieblos oder gar als böse empfinden - wir Erwachsenen hingegen geben den Eltern recht.

 

Leider haben auch wir "erwachsenen Kinder" manchmal eine "Bremse" (die oftmals Leid bedeuten kann) von Gott nötig, um uns vor schlimmeren Leid hier oder im Jenseits zu bewahren.

 

So haben mir vor ca. 15 Jahren zwei junge Männer, die im Rollstuhl saßen zugestimmt, als ich ihnen sagte, man weiß nie weshalb das alles passieren mußte. Vielleicht sollte dadurch noch Schlimmeres verhindert werden. Manchmal ist auch Leid zur Reifung der Seele nötig.

 

Zu meiner Überraschung gab mir der ca. 21-Jährige, der seit seinem 17. Lebensjahr im Rollstuhl ist zu verstehen, daß er liebend gerne wieder gesund und ohne den Rollstuhl wäre, jedoch sagte er auch: "Ich möchte nicht der Mensch sein, der ich geworden wäre, wenn ich nicht im Rollstuhl sitzen würde!" Der zweite junge Mann erzählte mir, daß er ohne seinen Rollstuhl schon längst auf dem Friedhof liegen würde weil er sich mit dem Auto zu Tode gerast hätte.

 

Ich traf einen ehemaligen Millionär dem ich diese Begebenheiten erzählte. Er war durch Betrug seines Buchhalters und gewisser Geschäftsleute um seine Fabrik und das gesamte Vermögen gebracht worden (eine Fabrik im Wert von ca. 5O Millionen). Seit mehr als 15 Jahren lebt er nun von der Sozialhilfe. Obwohl er gegen diese Leute Klage erhoben hat, muß er wegen der schwierigen Beweislage Jahr um Jahr auf sein Recht hoffen. Er sagte zu mir, daß auch er zugeben muß, daß er nicht der Mann sein möchte, der er ohne dieses Leid geworden wäre, wenn er weiter so viel Geld und Vermögen gehabt hätte. Er meinte, ohne diese schlimme Situation hätte er nie so zu Gott gefunden. Wenn er einmal wieder zu seinem Geld kommt, will er die Hälfte für die Anliegen der Mutter Gottes spenden.

 

Oft läßt Gott Leid zu, um die Menschen zum Nachdenken, zur Umkehr zu bewegen, zur Erinnerung an Gott. Auch als Prüfung und zur Seelenentwicklung läßt er dies zu. Es heißt nicht umsonst "Not lehrt beten!"

 

Vor einiger Zeit las ich, daß manchmal jemand zu früh sterben muß, weil ihm Gott schlimmeres Leid hier oder im Jenseits ersparen will. Er sah voraus, daß dieser Mensch vielleicht in schlechte Gesellschaft geraten, tief in Sünden gefallen wäre, sich ganz von Gott entfernt hätte, und er durch ein längeres irdisches Leben sein Leben für die Ewigkeit verwirkt hätte. Vielleicht hätte er auch irgendwann sich oder andere ins Unglück gestürzt oder es sollte ihm selbst schweres Leid hier auf Erden erspart bleiben (vielleicht durch andere Menschen, Kriege, Katastrophen usw.). Zum Pater Pio kam einst ein Blinder, der wußte, daß Pater Pio auch Blinde heilen konnte und bat um Heilung. Dieser sagte zu ihm: "Willst du geheilt werden und in die Hölle fallen (ich sehe wie du dann leben wirst) oder blind bleiben und in den Himmel kommen. Dieser Mann wollte lieber blind bleiben, wir haben ihn wiederholt bei unseren Besuchen in San Giovanni Rotondo am Grab Pater Pios gesehen.

 

Natürlich könnte es noch viele andere Gründe geben, z.B. auch, daß andere Menschen wachgerüttelt werden und sich an ihren eigenen Tod, ans Jenseits, an die schnelle Vergänglichkeit des Lebens erinnert werden sollen.

 

Es gibt da auch noch das selbstverursachte und voraussehbare Leid (das verhinderbare Leid), das z.B. durch Alkoholmißbrauch, Drogen, Rasen mit dem Auto oder Motorrad vorprogrammiert ist.

 

Noch andere Aspekte für das Leid sind erkennbar. So können wir durch selbsterlebtes Leid oftmals erst das richtige Verständnis für die Nöte anderer aufbringen . Auch können wir durch Leid, daß wir hier auf Erden erfahren, schon viel von unserem Fegefeuer abbüßen. So habe ich einmal in einem Buch über die Armen Seelen gelesen, daß wir hier auf Erden unsere Schuld viel leichter abtragen können. Es wäre wie wenn man für hunderte Taler Schuld nur wenige Pfennige abbezahlen müßte, dagegen im Jenseits für wenige Pfennige Schuld hunderte Taler bezahlen müßte.

 

Eine andere Möglichkeit ist auch noch, daß jemand stellvertretend für andere leidet ob bewußt oder unbewußt.

 

Eine bekannte Sühneseele, bei der die Engel ein und aus gingen und die sie sehen und sprechen konnte, wie sie uns selbst erzählte, war die stigmatiserte Grete Gansefort aus Heede. Wir hatten das Glück ca. 1Std. an ihrem Krankenbett zuzubringen. Sie war jahrzehntelang gelähmt und hatte in ihren jungen Jahren Marienerscheinungen mit anderen Mädchen zusammen. Die Engel kamen immerwieder zu ihr und baten sie, Leiden zu übernehmen um diese oder jene Person vor der Hölle zu retten und sie stimmte zu. Sie litt besonders in der Fastenzeit.

 

Ein begnadeter Priester im Ausland erzählte uns von einer blinden Frau, die an langjähriger Blindheit litt. Sie beklagte sich oft bei Gott, daß sie nicht sehen, keine Arbeit verrichten, nicht einmal Kartoffeln schälen könne und somit niemandem nützlich wäre. So kam sie in den Segensgottesdienst für Kranke mit der selben Klage und Bitte um Heilung - und sie wurde geheilt.

 

Nur 10 Tage später war sie wieder blind und rief den Priester an. Sie erklärt dem erschrockenen Pfarrer, daß sie nun froh und glücklich sei bis an ihr Lebensende blind zu sein. Gott habe ihr in den 10 Tagen gezeigt, daß sie mit ihrer Blindheit ihre ganze Familie, alle Freunde, Verwandte und Bekannte vor der Hölle gerettet hatte. Nun wisse sie, daß sie auf Erden nichts wichtigeres tun könne als ihre Blindheit zu tragen. Ihr Lohn im Himmel wird sicher groß sein.

 

Zum Pater Pio kam eine Frau die zeitlebens sehr krank war.

 

Sie beklagte sich, daß sie fromm sei, viel betet und die Kirche besuche und trotzdem sei sie immer nur krank. Ihre Familie und andere kümmerten sich nicht um Gott und denen ginge es gut. Pater Pio sagte: "Noch 2 Jahre bist Du schwer krank und dann gesund und hast alle in Deiner Familie, deine Freunde, Verwandten und Bekannte vor der Hölle gerettet."

 

Dieses Opfer wurde den Menschen nicht aufgezwungen, Gott ist allwissend und kennt die Seele und weiß ob sie dazu bereit ist. Jede Sünde muß wieder abgetragen werden von dem Menschen der sie getan hat - hier oder im Jenseits.

 

Gott der barmherzig ist kann jedoch die Strafen abmildern. So sagte der barmherzige Jesus zu der seligen Schwester Faustine in Krakau: "Wer sich an meine Barmherzigkeit wendet, muß nicht durch die Tore meiner Gerechtigkeit gehen".

 

Auch können die Menschen hier auf Erden durch Aufopfern von Gebeten, Hl. Messen, Leid usw. den Armen Seelen die im Fegefeuer büßen einen Teil Leid ersparen - tragen helfen - sie eher aus dem Fegefeuer befreien.

 

Sühneseelen können helfen, daß Menschen nicht in die ewige Hölle fallen, jedoch im Fegefeuer müssen diese dann ihre Sünden selber abbüßen.

 

Wenn wir also Leid, Krankheit, Sorgen und Probleme zu tragen haben, so opfern wir sie doch am besten Gott und der Muttergottes für die Armen Seelen auf. Wir machen damit Gott, der Muttergottes und den Armen Seelen eine große Freude und werden dafür reichen Lohn im Jenseits erhalten und viel Hilfe schon hier auf Erden erfahren.

 

Zum Schluß möchte ich auch noch darauf hinweisen, daß nicht der breite, bequeme Weg in den Himmel führt, sondern der schmale, steinige Weg. Es gibt wohl keinen Heiligen, der nicht auch durch schweres Leid gehen mußte. Wir sollten im Leid nie vergessen, wieviel Jesus und die Muttergottes für uns gelitten haben. Es soll nun aber nicht der Eindruck entstehen, als wären gläubige Christen schlechter dran als andere und müßten nur leiden. Viele Gläubige können bezeugen, daß ihr Weg nicht immer leicht ist, daß sie aber stets viel Hilfe und Heilung durch ihren Glauben und das Gebet erfahren haben. Menschen die viel leiden müssen, bekommen oft von Gott besondere Stärkung und Hilfen, so daß sie trotz ihres Leidens meist sogar glücklicher und zufriedener sind als andere Menschen.

 

 


(c)Pilgerreisen Peter Koros


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