Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Vater unser im Himmel,

 geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

 sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen
 

Dieses Gebet hat uns Jesus selbst gelehrt und es ist das wichtigste Gebet für uns Christen geworden. Es enthält in den sieben Bitten alle unsere täglichen Sorgen und Nöte. Wir sollten diese Bitten einmal näher betrachten. Zum Beispiel die Bitte:

 Und vergib uns unsere Schuld,

 wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

 Ich möchte dabei besonders eingehen auf den Punkt: Wir vergeben.

 Wie vergeben wir anderen, von denen wir glauben oder auch konkret wissen, daß sie uns Unrecht getan haben oder auch tun möchten?.

 Oft fällt es uns schon schwer den Satz,

 "Ich vergebe Dir" auszusprechen.

Wie schwer es wirklich sein kann zeigt eine Kurzgeschichte von Abbe Pierre L. (VATER UNSER in Kurzgeschichten, Johannes Verlag - Leutesdorf).

Erbarmungslos raste der Bürgerkrieg über die spanische Ebene. Entweihte Kirchen, brennende Dörfer, verstümmelte Leichen zeigten den Weg, den das rote Heer genommen hatte. Und auch die Nationalen kämpften mit einer Verbissenheit ohnegleichen.

 Als ein Trupp Nationaler nach hartem Kampf ein Dorf von den Gegnern gesäubert hatte, fanden sie an einer Mauerecke einen schwerverletzten Roten, dem ein Granatsplitter die Brust zerfetzt hatte.

 Aus glasigen Augen schaute der Verwundete die herankommende Soldatengruppe an. Dann hob er mit schwacher Gebärde die Hand und stammelte: " Einen Priester! Holt mir einen Priester!"

"Fahr zur Hölle, Roter Hund!" fluchte einer der Nationalen. Doch einer seiner Kameraden hatte Mitleid: "Ich will sehen, ob ich einen Priester finde."

Wirklich kam er bald mit einem Priester zurück. Mitleidig beugte sich dieser zu dem Schwerverletzten, einem blutjungen Burschen, nieder.

 "Sie wollen beichten?" fragte er Ihn.

"Ja, ich will beichten!" keuchte der Soldat. "Aber sagen Sie, sind Sie der Pfarrer dieses Ortes?"

 Ja, der bin ich!"."Mein Gott!" stammelte der Junge.

Lange dauerte es, bis der Priester den Sterbenden verließ. Schweißnass war sein Haar, sein Gesicht war bleich wie die Wand, als er zu den wartenden Soldaten zurückkam.

 "Brüder!" stieß er mühselig hervor. "Bringt den Verwundeten ins nächste Haus, damit er nicht auf der Straße stirbt."

Als die Soldaten sich dem Jungen näherten, richtete sich dieser ein wenig auf und winkte sie heran.

 "Er hat mir vergeben! Er gab mir die Lossprechung!" keuchte er, nach Atem ringend und emotional ganz gerührt.

 "Warum soll er dir nicht vergeben? Das ist ja sein Amt! sagte einer der Nationalen.

"Ihr wißt nicht was ich getan habe!" stöhnte der Sterbende. "Ich habe allein zweiunddreißig Priester getötet, erstochen, erschossen, erschlagen, erwürgt. In jedem Dorf bin ich zuerst ins Pfarrhaus eingedrungen. Auch hier hab ich das getan. Den Priester fand ich nicht, aber seinen Vater und seine beiden Brüder. Ich fragte sie, wo der Pfarrer sei. Sie weigerten sich, ihn zu verraten. Da habe ich alle drei erschossen! Versteht ihr? Dem Priester der meine Beichte hörte, habe ich Vater und Brüder getötet....

 UND ER HAT MIR DOCH VERGEBEN."

 "Vergib uns, wie auch wir vergeben."

In diesem Satz legen wir auch den Maßstab für den Grad der Vergebung der uns zuteil wird. Gerne sehen wir es, wenn uns die anderen vergeben, aber wie steht es mit der Vergebung die wir anderen geben können und sollen. Wer von uns hätte die Kraft und die Barmherzigkeit des Priesters aus dem vorherigen Beispiel. Aber wir sollten uns stets bemühen, allen vergeben zu können, damit auch wir die Vergebung erlangen und verdienen.

 Aus vielen Gesprächen die wir immer wieder führen durften, konnten wir die Wichtigkeit der Vergebung erfahren. So oft, wenn wir dafür gebetet hatten, Gott möge doch diese oder jene Gnade schenken, merkten die Beteiligten, da ist doch noch etwas, was den Gnadenstrom behindert. Es war oft ihr eigenes Verletzt sein in der Seele, durch nicht vergebene Verwundungen, die ihnen Mitmenschen zugefügt hatten, oft sogar nicht gewollt oder unbewußt. Wenn diese Menschen allen Beteiligten aus ganzem Herzen vergeben, sie segnen und in eine Hl Messe einschließen, lösen sich die Probleme und der Segen Gottes und die erbetenen Gnaden können in reichstem Maße fließen. Zeugnisse die bei vielen Exerzitien gegeben wurden bestätigten dieses recht deutlich.

 Können wir lernen zu vergeben und letztlich auch unsere Feinde zu lieben?

 - JA - mit Gottes Hilfe.

 Beginnen wir damit unsere Mitmenschen zu segnen,

 auch wenn sie uns gegenüber noch so ablehnend sind, bitten wir doch den lieben Gott sie zu Segnen. Die Menschen werden sich verändern, oder wir werden zumindest den Schutz Gottes vor ihrer Mißgunst, dem Neid usw. erfahren. Wir werden plötzlich keinen Kontakt und keine Berührung mehr mit Ihnen haben. Gott löst das Problem für uns.

 Bitten wir täglich Gott, er möge uns doch die Gnade der Vergebung schenken, damit wir auch so vergeben können, wie er uns schon vergeben hat, als wir seinen Sohn gemartert und gekreuzigt haben, durch unsere Sünden.

 VERGEBEN SCHENKT VERGEBUNG.

 Vater vergib Ihnen, denn sie Wissen nicht was sie tun.

Vater unser im Himmel,..und vergib uns unsere Schuld,

 wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

 So beten wir täglich in dem Gebet das uns Jesus selbst gelehrt hat. Mit diesem Satz legen wir selbst das Maß der Vergebung fest, was wir von Gott erbitten. "Wie auch wir vergeben!" So sollen auch Gott und alle Brüder und Schwestern uns vergeben.

 Darüber sollten wir öfter und länger nachdenken.



 

 


(c)Pilgerreisen Peter Koros


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